Rubrik: Wissenschaft & Forschung
Ab 01.07.2008 werden neue Texte nur noch unter Aktuelles angekündigt und direkt zu den entsprechenden Blog-Einträgen geleitet.
Wissenschaft ist das Gegenteil von Glauben- Kommentar zu einem Beitrag von Dr. Josef Joffe in der Wochenzeitung Die Zeit, Nr. 43 vom 18.10.2007
Deutsches Klimakonsortium gegründet(15.10.2007)
Nachwuchsforschungspreis der Stadt Wilhelmshaven für Studien zu Küsten- und Meeresforschung (14.10.2007)
Wasserstoff aus Wasser und Sonnenenergie (02.10.2007)
Anerkannter Klima-Wissenschaftler entlarvt Scharlatan-Klimaskeptiker
Susanna Knotz, 22.9.2007
Hinweis auch auf beiden Blogs mit Links zum Origianaltext von Stefan Rahmstorf. Rahmstorf ist einer der mehr als 450 Leitautoren des 4.
IPCC-Berichtes zum Klimawandel. Insgesamt waren über 800
Wissenschaftsautoren an diesem Bericht beteiligt, deren Studien von mehr als 2500
Fachleuten begutachtet worden sind. Eine Handvoll Leute,
Naturwissenschaftler und andere, bezeichnet all diese tatsächlichen Experten als
Klimalügner, die nicht wüssten was sie täten und sich nur wichtig
machen wollten, hmm.
Neues über die Jugend der Suppenschildkröte und Hintergrund über die dazu verwendete Messmethode, die stabile Isotopenanalyse (20.9.07)
Arktis in naher Zukunft eisfrei
Susanna Knotz, 18.9.07
Unabhängig voneinander stellen verschiedene Fachleute fest, dass sich der Klimawandel schneller als zuvor berechnet auf die Arktis auswirkt.
Der Kanadier Louis Fortier von der Universität Laval aus Quebec City, Kanada, verblüffte doch einige seiner Fachkollegen Ende August in Kiel auf dem 42. Europäischen Meeresbiologie-Symposium (EMBS). Seine Botschaft: Das Eis am Nordpol hat sich in diesem Jahr schon im August weiter zurückgezogen als sonst im September. Im September erreicht das Meereis im Nordpolarmeer üblicherweise seine geringste Ausdehnung.
Satellitenfotos vom Nordpol, am 14. September von der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA veröffentlicht, belegen die Entwicklung. Erstmals, seit Satelliten die Meereisausdehnung feststellen (seit 1978), ist die Nordwestpassage zwischen Atlantik und Pazifik durch die kanadische Arktis-Inselwelt hindurch und entlang der Nordküste Alaskas prinzipiell von Schiffen befahrbar. Auch die Nordostpassage, die von Europa aus entlang der sibirischen Landmasse Atlantik mit Pazifik durch eine offene Wasserrinne verbinden würde, ist nur noch an einer Stelle von Eis blockiert.
Auch die NOAA (Nationale Verwaltung für Ozeane und Atmosphäre), Vereinigte Staaten, bläst in einer Mitteilung Anfang September ins gleiche Horn. Es wird in naher Zukunft wegen des übermäßigen Rückgangs des Meereises zum ersten Mal seit Geschichte aufgezeichnet wird, eine Schiffsverbindung von Europa über Sibirien zum Pazifik geben.
Foto/ESA: Das Mosaikbild aus den Satellitenaufnahmen von Envisat ASAR zeigt das Nordpolarmeer Anfang September 2007 mit der eisfreien Nordwestpassage (orange) und der nur noch an einer Stelle von Meereis blockierten Nordostpassage (blau). Eisfreie Zonen sind dunkelgrau, eisbedeckte Meeresbereiche grünlich dargestellt. Nordpolarmeer in Aufsicht: links unten Grönland (weiß umrandet), darüber Nordamerika; rechts unten Europa, darüber Asien; wo sich die Passagen treffen, oben, Pazifikdurchgang, unten Atlantiköffnung.
Die neuesten Daten weisen darauf hin, dass der Nordpol deutlich früher als erwartet, schon um das Jahr 2040 herum, eisfrei sein könnte. Leif Toudal Pedersen vom Dänischen Nationalen Raumfahrtzentrum: "Wir haben beobachtet, dass die eisbedeckte Fläche auf einen Tiefststand von drei Millionen Quadratkilometern zurückgegangen ist, das sind eine Million Quadratkilometer weniger als die vorhergegangenen Tiefststände 2005 und 2006. In den letzten zehn Jahren hat sich die Eisbedeckung jährlich um etwa Hunderttausend Quadratkilometer verringert. Ein Rückgang um eine Million Quadratkilometer in nur einem Jahr ist also außerordentlich."
Zurzeit ist der Forschungseisbrecher "Polarstern" des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung der Helmholtz-Gemeinschaft mit fünfzig WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Russland, Finnland, den Niederlanden, Spanien, den Vereinigten Staaten, Schweiz, Japan, Frankreich und China in der Arktis unterwegs, um die Auswirkungen des Klimawandels auf das Nordpolarmeer und seine Lebensgemeinschaften festzustellen.
Die Forscher an Bord mussten feststellen, dass große Meeresflächen nur noch von einem Meter dickem Eis bedeckt sind. Damit ist die Eisdecke nur halb so dünn wie noch vor sechs Jahren. Meeresströmungen und Ökosystem der Arktis verändern sich zusehends. "Eisbären und einige Robbenarten werden leider ganz verschwinden oder nur in kleinen, begrenzten Bereichen der Arktis überleben können", so Ulrich Sommer vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel (IfM-GEOMAR) auf dem EMBS.
Bereits im Mai 2007 wiesen Julienne Stroeve und ihr Team vom Nationalen Schnee- und Eis-Datenzentrum (NSIDC) der Universität Colorado, Boulder, Vereinigte Staaten, in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters darauf hin, dass die bisher verwendeten Klimamodelle den Eisrückgang stark unterschätzten.
Das Wissenschaftlerteam verglich die wirkliche Entwicklung des Meereises und der Meerestemperatur mit den Daten aus den achtzehn Klimamodellen, wie sie z.B. für den Klimabericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) der Vereinten Nationen herangezogen worden waren. Die Klimaforscher fanden heraus, dass der tatsächliche Meereisrückgang zwischen 1953 und 2006 im Schnitt dreimal so schnell stattgefunden hat wie mit den Klimamodellen für diesen Zeitraum berechnet worden war.
Eine schlimme Folge des Meereisverlustes ist der eintretende Schneeballeffekt. Eine weiße Decke aus Eis reflektiert Sonnenlicht und die in ihm enthaltene Wärmestrahlung. Offenes Wasser absorbiert dagegen die Wärmestrahlung. Die Experten sagen voraus, dass sich das Meer beschleunigt erhitzen wird, mit gravierenden Folgen für den ganzen Planeten.
Quellen:
Pressemitteilung "Schwertfische und Sardellen im Skagerrak: Kieler Symposium zeigt Folgen des Klimawandels im Ozean auf" von Mona Botros, Pressestelle IfM-GEOMAR, Kiel, zum 42. Europäischen Meeresbiologie-Symposium mit weiteren Informationen zum Lebensraumwandel auch in den Meeren vor unserer Haustüre (3.9.2007)
Pressemitteilung "Das Meereis wird dünn - Aufnahmen des Klima- und Ökosystems des Arktischen Ozeans" von Angelika Dummermuth, Pressestelle AWI, über die aktuelle Polarsternexpedition mit weitergehenden Informationen (13.9.2007)
ESA-Pressemitteilung und -Foto "Satellites witness lowest Arctic ice coverage in history" über die Satellitendaten aus dem Nordpolarmeer (14.9.2007)
ScienceNOW-Bericht von Noreen Parks "The incredible shrinking sea ice" über die Studie der Universität Colorado (Englisch) (2.5.2007) - nur noch für Abonnenten zugänglich
ScienceNOW-Bericht von Phil Berardelli "Dwindling days for Arctic ice" über die NOAA-Studie (Englisch) (7.9.2007) - innerhalb 4 Wochen nach Erscheinen frei zugänglich, danach nur noch für Abonnenten
Webkonferenz zum Thema Meereis um 18 Uhr am 18.9.2007 live im Internet und danach im Archiv (Englisch).
Ostereier der Helmholtz-Gemeinschaft
Star-Trek lässt grüßen - Mikrochip lässt Blinde wieder sehen
Susanna Knotz, 14.3.07
Ein Mikrochip mit 1500 winzigen Fotozellen ersetzt die Funktion abgestorbener Lichtsinneszellen im Auge von Erblindeten. In einem ersten Testlauf setzten Augenärzte aus Tübingen und Regensburg sieben Testteilnehmern je einen Mikrochip der Firma Implant GmbH aus Reutlingen unter die intakte Netzhaut ins Auge. Die Fotozellen erzeugen bei Bestrahlung mit Licht einen elektrischen Impuls. Die Nervenzellen der Netzhaut nahmen dieses elektrische Signal auf und leiteten es über den Sehnerv an das Gehirn weiter, wie sie es auch in Gesunden tun würden, deren Lichtsinneszellen (Stäbchen und Zapfen) die elektrischen Impulse liefern.
![]() | Blick auf einen Augapfel mit eingenähtem Mikrochip der Implant GmbH (Quelle: Dr. E. Katz, Pressestelle des Uniklinikums Tübingen) |
Die sieben Versuchsteilnehmer trugen die Netzhaut-Implantate für 4 Wochen, dann wurden die Chips wieder entfernt. Einer der Teilnehmer lebt mit seinem Testchip auf eigenen Wunsch seit nunmehr 16 Monaten beschwerdefrei. Das Team unter der Leitung Professor Zrenners besteht aus Medizinern der Unikliniken Tübingen und Regensburg und aus Biologen, Physikern und Ingenieure der Implant GmbH Reutlingen, verschiedener Institute der Universität Tübingen und des Institutes für Mikroelektronik der Universität Stuttgart. Sie arbeiten weiter zusammen, um den Mikrochip zu verbessern. In Zukunft können ehemals Erblindete womöglich sogar wieder stark vergrößerte Schrift lesen. Aber noch ist das Science fiction.
Patienten, die sich für die Methode und ihre Weiterentwicklung interessieren, steht ab dem 15.03.2007 ein
Servicetelefon unter der Nummer Tel. 07121 / 7012 180 zur Verfügung.
Quelle: Dr. Ellen Katz, Pressestelle des Universitätsklinikums Tübingen
